Title:

Hans im Glück

Description:  Fairy story by Brüder Grimm
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
  Wir empfehlen:       
 

Hans im Glück


Hans hatte sieben Jahre bei seinem Herrn gedient, da sprach er zu ihm 'Herr, meine Zeit ist herum, nun wollte ich gerne wieder heim zu meiner Mutter, gebt mir meinen Lohn'. Der Herr antwortete 'Du hast mir treu und ehrlich gedient, wie der Dienst war, so soll der Lohn sein', und gab ihm ein Stück Gold, das so groß als Hannsens Kopf war. Hans zog sein Tüchlein aus der Tasche, wickelte den Klumpen hinein, setzte ihn auf die Schulter und machte sich auf den Weg nach Haus. Wie er so dahin gieng und immer ein Bein vor das andere setzte, kam ihm ein Reiter in die Augen, der frisch und fröhlich auf einem muntern Pferde vorbei trabte. 'Ach', sprach Hans ganz laut, 'was ist das Reiten ein schönes Ding! da sitzt einer wie auf einem Stuhl, stößt sich an keinen Stein, spart die Schuh und kommt fort, er weiß nicht wie.' Der Reiter, der das gehört hatte, hielt an und rief 'ei Hans, warum läufst du auch zu Fuß?' 'Ich muß ja wohl, da habe ich einen Klumpen heim zu tragen, es ist zwar Gold, aber ich kann den Kopf dabei nicht gerad halten: auch drückt mirs auf die Schulter.' 'Weißt du was', sagte der Reiter, 'wir wollen tauschen, ich gebe dir mein Pferd, und du gibst mir deinen Klumpen.' 'Von Herzen gern', sprach Hans, 'aber ich sage euch, ihr müßt euch damit schleppen.' Der Reiter stieg ab, nahm das Gold und half dem Hans hinauf, gab ihm die Zügel fest in die Hände und sprach 'wenns nun recht geschwind soll gehen, so mußt du mit der Zunge schnalzen und `hopp hopp' rufen'. Hans war seelenfroh, als er auf dem Pferde saß und so frank undfrei dahin ritt. Über ein Weilchen fiels ihm ein, es sollte noch schneller gehen, undfing an mit der Zunge zu schnalzen und 'hopp hopp' zu rufen. Das Pferd setzte sich instarken Trab, und ehe sichs Hans versah, war er abgeworfen, und lag in einem Graben, derdie Äcker von der Landstraße trennte. Das Pferd wäre auch durchgegangen, wenn es nichtein Bauer aufgehalten hätte, der des Weges kam und eine Kuh vor sich her trieb. Hanssuchte seine Glieder zusammen und machte sich wieder auf die Beine. Er war aberverdrießlich und sprach zu dem Bauer 'es ist ein schlechter Spaß, das Reiten, zumalwenn man auf so eine Mähre geräth wie diese, die stößt und einen herab wirft, daß manden Hals brechen kann, ich setze mich nun und nimmermehr wieder auf. Da lob ich mir eureKuh, da kann einer mit Gemächlichkeit hinter her gehen und hat obendrein seine Milch,Butter und Käse jeden Tag gewiß. Was gäb ich darum, wenn ich so eine Kuh hätte!''Nun', sprach der Bauer, 'geschieht euch so ein großer Gefallen, so will ich euch wohldie Kuh für das Pferd vertauschen.' Hans willigte mit tausend Freuden ein: der Bauerschwang sich aufs Pferd und ritt eilig davon.

Hans trieb seine Kuh ruhig vor sich her und bedachte denglücklichen Handel. 'Hab ich nur ein Stück Brot, und daran wird mirs doch nicht fehlen,so kann ich, so oft mirs beliebt, Butter und Käse dazu essen: hab ich Durst, so melk ichmeine Kuh und trinke Milch. Herz, was verlangst du mehr?' Als er zu einem Wirthshaus kam,machte er Halt, aß in der großen Freude alles, was er bei sich hatte, sein Mittag- undAbendbrot, rein auf und ließ sich für seine letzten paar Heller ein halbes Glas Biereinschenken. Dann trieb er seine Kuh weiter, immer nach dem Dorfe seiner Mutter zu. DieHitze war drückender, je näher der Mittag kam, und Hans befand sich in einer Heide, diewohl noch eine Stunde dauerte. Da ward es ihm ganz heiß, so daß ihm vor Durst die Zungeam Gaumen klebte. 'Dem Ding ist zu helfen', dachte Hans, 'jetzt will ich meine Kuhmelken und mich an der Milch laben.' Er band sie an einen dürren Baum, und stellte, daer keinen Eimer hatte, seine Ledermütze unter: aber so sehr er sich auch bemühte, es kamkein Tropfen Milch zum Vorschein. Und weil er sich ungeschickt dabei anstellte, so gab ihmdas ungeduldige Thier endlich mit einem der Hinterfüße einen solchen Schlag vor denKopf, daß er zu Boden taumelte und eine zeitlang sich gar nicht besinnen konnte, wo erwar. Glücklicher Weise kam gerade ein Metzger des Weges, der auf einem Schubkarren einjunges Schwein liegen hatte. 'Was sind das für Streiche!' rief er und half dem gutenHans auf. Hans erzählte, was vorgefallen war. Der Metzger reichte ihm seine Flasche undsprach 'da trinkt einmal, und erholt euch. Die Kuh will wohl keine Milch geben, das istein altes Thier, das höchstens noch zum Ziehen taugt oder zum Schlachten'. 'Ei, ei',sprach Hans, und strich sich die Haare über den Kopf, 'wer hätte das gedacht! es istfreilich gut, wenn man so ein Thier ins Haus abschlachten kann, was gibts für Fleisch!aber ich mache mir aus dem Kuhfleisch nicht viel, es ist mir nicht saftig genug. Ja, werso ein junges Schwein hätte! das schmeckt anders, dabei noch die Würste.' 'Hört,Hans', sprach der Metzger, 'euch zu Liebe will ich tauschen und will euch das Schweinfür die Kuh lassen.' 'Gott lohn euch eure Freundschaft!' sprach Hans und übergab ihmdie Kuh, und ließ sich das Schweinchen vom Karren losmachen und den Strick, woran esgebunden war, in die Hand geben.

Hans zog weiter und überdachte, wie ihm doch alles nach Wunschgienge: begegnete ihm ja eine Verdrießlichkeit, so würde sie doch gleich wieder gutgemacht. Es gesellte sich danach ein Bursch zu ihm, der trug eine schöne weiße Gansunter dem Arm. Sie boten einander die Zeit, und Hans fieng an von seinem Glück zuerzählen und wie er immer so vortheilhaft getauscht hätte. Der Bursch sagte ihm, daß erdie Gans zu einem Kindtaufschmaus brächte. 'Hebt einmal', fuhr er fort und packte siebei den Flügeln, 'wie schwer sie ist, die ist aber auch acht Wochen lang genudeltworden. Wer in den Braten beißt, muß sich das Fett von beiden Seiten abwischen.''Ja', sprach Hans und wog sie mit der einen Hand, 'die hat ihr Gewicht, aber meinSchwein ist auch keine Sau.' Indessen sah sich der Bursch nach allen Seiten ganzbedenklich um, schüttelte auch wohl mit dem Kopf. 'Hört', fieng er darauf an, 'miteurem Schweine mags nicht so ganz richtig sein. In dem Dorfe, durch das ich gekommen bin,ist eben dem Schulzen eins aus dem Stall gestohlen worden; ich fürchte, ich fürchte ihrhabts da in der Hand. Sie haben Leute ausgeschickt, und es wäre ein schlimmer Handel,wenn sie euch mit dem Schweine erwischten: das geringste ist, daß ihr ins finstere Lochgesteckt werdet.' Dem guten Hans ward bang; 'ach Gott', sprach er 'helft mir aus derNoth, ihr wißt hier herum besser Bescheid, nehmt mein Schwein da und laßt mir eureGans'. 'Ich muß schon etwas aufs Spiel setzen', antwortete der Bursche, 'aber ichwill doch nicht Schuld sein, daß ihr ins Unglück gerathet.' Er nahm also das Seil indie Hand und trieb das Schwein schnell auf einem Seitenweg fort: der gute Hans aber gieng,seiner Sorgen entledigt, mit der Gans unter dem Arme der Heimat zu. 'Wenn ichs rechtüberlege', sprach er mit sich selbst, 'habe ich noch Vortheil bei dem Tausch: erstlichden guten Braten, hernach die Menge von Fett, die herausträufeln wird, das gibtGänsefettbrot auf ein Vierteljahr: und endlich die schönen weißen Federn, die laß ichmir in mein Kopfkissen stopfen und darauf will ich wohl ungewiegt einschlafen. Was wirdmeine Mutter eine Freude haben!'Als er durch das letzte Dorf gekommen war, stand da einScheerenschleifer mit seinem Karren: sein Rad schnurrte und er sang dazu 'Ich schleife die Scheere und drehe geschwind, und hänge meinMäntelchen nach dem Wind.'

Hans blieb stehen und sah ihm zu; endlich redete er ihn an undsprach 'euch gehts wohl, weil ihr so lustig bei eurem Schleifen seid'. 'Ja',antwortete der Scheerenschleifer, 'das Handwerk hat einen güldenen Boden. Ein rechterSchleifer ist ein Mann, der, so oft er in die Tasche greift, auch Geld darin findet. Aberwo habt ihr die schöne Gans gekauft?' 'Die hab ich nicht gekauft, sondern für meinSchwein eingetauscht.' 'Und das Schwein?' 'Das hab ich für eine Kuh gekriegt.' 'Unddie Kuh?' 'Die hab ich für ein Pferd bekommen.' 'Und das Pferd?' 'Dafür hab icheinen Klumpen Gold, so groß als mein Kopf, gegeben.' 'Und das Gold?' 'Ei, das warmein Lohn für sieben Jahre Dienst.' 'Ihr habt euch jederzeit zu helfen gewußt',sprach der Schleifer, 'könnt ihrs nun dahin bringen, daß ihr das Geld in der Taschespringen hört, wenn ihr aufsteht, so habt ihr euer Glück gemacht.' 'Wie soll ich dasanfangen?' sprach Hans. 'Ihr müßt ein Schleifer werden, wie ich; dazu gehörteigentlich nichts als ein Wetzstein, das andere findet sich schon von selbst. Da hab icheinen, der ist zwar ein wenig schadhaft, dafür sollt ihr mir aber auch weiter nichts alseure Gans geben; wollt ihr das?' 'Wie könnt ihr noch fragen', antwortete Hans, 'ichwerde ja zum glücklichsten Menschen auf Erden: habe ich Geld, so oft ich in die Taschegreife, was brauche ich da länger zu sorgen?' reichte ihm die Gans hin und nahm denWetzstein in Empfang. 'Nun', sprach der Schleifer und hob einen gewöhnlichen schwerenFeldstein, der neben ihm lag, auf, 'da habt ihr noch einen tüchtigen Stein dazu, auf demsichs gut schlagen läßt und ihr eure alten Nägel gerade klopfen könnt. Nehmt hin undhebt ihn ordentlich auf.' Hans lud den Stein auf und gieng mit vergnügtem Herzen weiter;seine Augen leuchteten vor Freude, 'ich muß in einer Glückshaut geboren sein', rief eraus, 'alles was ich wünsche, trifft mir ein, wie einem Sonntagskind.' Indessen, weil erseit Tagesanbruch auf den Beinen gewesen war, begann er müde zu werden: auch plagte ihnder Hunger, da er allen Vorrath auf einmal in der Freude über die erhandelte Kuhaufgezehrt hatte. Er konnte endlich nur mit Mühe weiter gehen und mußte jeden AugenblickHalt machen; dabei drückten ihn die Steine ganz erbärmlich. Da konnte er sich desGedankens nicht erwehren, wie gut es wäre, wenn er sie gerade jetzt nicht zu tragenbrauchte. Wie eine Schnecke kam er zu einem Feldbrunnen geschlichen, wollte da ruhen undsich mit einem frischen Trunk laben; damit er aber die Steine im Niedersitzen nichtbeschädigte, legte er sie bedächtig neben sich auf den Rand des Brunnens. Darauf setzteer sich nieder und wollte sich zum Trinken bücken, da versah ers, stieß ein klein wenigan, und beide Steine plumpten hinab. Hans, als er sie mit seinen Augen in die Tiefe hatteversinken sehen, sprang vor Freuden auf, kniete dann nieder und dankte Gott mit Thränenin den Augen, daß er ihm auch diese Gnade noch erwiesen und ihm auf eine so gute Art undohne daß er sich einen Vorwurf zu machen brauchte, von den schweren Steinen befreithätte: das einzige wäre ihm nur noch hinderlich gewesen. 'So glücklich wie ich', riefer aus, 'gibt es keinen Menschen unter der Sonne.' Mit leichtem Herzem und frei vonaller Last sprang er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter war.

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... Rechtsstand: 1. August 2012
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrecht, mit …
Strafgesetzbuch StGB: mit Einführungsgesetz, …
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, …
Arbeitsgesetze
Basistexte Öffentliches Recht: Rechtsstand: 1. …
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit …
 
   
 
     

This web site is a part of the following projects: Gebrüder Grimm, Märchen Sammlung.

Back to the topic sites:
Gebrüder Grimm/Startseite/maerchen_h
Märchen Sammlung/Startseite/maerchen/maerchen_h

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum